TUM-Doktorandin mit Zonta Women in STEM Award ausgezeichnet
Den Ursprüngen supermassereicher Schwarzer Löcher auf der Spur
Sie sind an der Entwicklung von MICADO beteiligt, der Erstlichtkamera des Extremely Large Telescope (ELT) der Europäischen Südsternwarte. Woran arbeiten Sie konkret und was wird dadurch künftig möglich?
Ich arbeite an einer speziellen Optik für hochauflösende Spektroskopie. Dabei zerlegen wir das Licht in seine verschiedenen Wellenlängen und können so nachvollziehen, woher es kommt und was ihm auf seinem Weg zu uns begegnet ist. Das Spektrum verrät uns viel über die Eigenschaften und die chemische Zusammensetzung von Sternen und Galaxien, aber auch über Gas- und Staubwolken, die das Licht unterwegs durchquert hat. Mit MICADO werden wir sowohl das Zentrum unserer Milchstraße als auch einige der entferntesten sichtbaren Galaxien untersuchen können.
Astrophysik verbinden viele mit spektakulären Bildern aus dem All. Was überrascht Außenstehende, wenn Sie erzählen, wie Ihr Forschungsalltag aussieht?
Viele sind überrascht, dass die Komponenten von Instrumenten zur Analyse des Lichts trotz des 39 Meter großen Hauptspiegels des ELT teilweise nur wenige Millimeter groß sind. Als ich diese Bauteile zum ersten Mal gesehen habe, konnte ich es selbst kaum glauben. Das zeigt eindrucksvoll, wie effektiv das Teleskop das gesammelte Licht auf einen winzigen Punkt fokussiert.
Auch die Beobachtungsdaten überraschen viele. Die entferntesten Galaxien erscheinen oft nur als schwache Lichtpunkte. Trotzdem können wir daraus erstaunlich viele Informationen gewinnen und so Milliarden Jahre in die Vergangenheit des Universums blicken.
Welche Erkenntnisse über Schwarze Löcher oder andere Phänomene faszinieren Sie an Ihrer Forschung besonders?
Besonders faszinieren mich zwei Forschungsgebiete. Zum einen die Frage, wie Galaxien und die supermassereichen Schwarzen Löcher in ihren Zentren entstehen und sich gemeinsam entwickeln. Wir gehen davon aus, dass die Schwarzen Löcher ihre Galaxien stark beeinflussen und ihre Entwicklung mitprägen. Beobachtungen von Galaxien unterschiedlichen Alters erlauben uns, diese Zusammenhänge immer besser nachzuvollziehen.
Zum anderen die Suche nach Galaxien mit zwei supermassereichen Schwarzen Löchern im Zentrum. Solche Systeme könnten uns einzigartige Einblicke in die Verschmelzung von Galaxien geben. Gerade die Mischung aus großen Fortschritten und vielen offenen Fragen macht dieses Forschungsfeld für mich so spannend.
Sie teilen Ihre Begeisterung für Wissenschaft in Schulvorträgen mit jungen Menschen, insbesondere Frauen. Gibt es Momente, die Ihnen im Gedächtnis geblieben sind?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir mein erster Schulvortrag während des Studiums. Ich hatte einen ausgedienten Detektor als Anschauungsmaterial dabei, und ein Schüler stellte so detaillierte Fragen dazu, dass ich schließlich selbst noch einmal in die technische Dokumentation schauen musste. Diese Begegnung hat mich sehr motiviert, denn sie zeigt, wie wertvoll solche Veranstaltungen sind – sowohl um junge Talente zu entdecken als auch um Begeisterung für Wissenschaft zu wecken.
Ein ähnlicher Moment ergab sich kürzlich beim Girls' Day am MPE. Die Teilnehmerinnen entwickelten eine so intensive Diskussion über den Urknall, dass sie uns mit ihren Fragen schließlich an die Grenzen unseres Wissens brachten. Das erinnerte mich sehr daran, wie ich selbst einmal genau dort saß und dachte: Das möchte ich später auch machen.
Mit dem Zonta Women in STEM Award werden weltweit nur 16 junge Wissenschaftlerinnen ausgezeichnet. Welche Chancen verbinden Sie persönlich mit dieser Sichtbarkeit?
Für mich ist diese Auszeichnung vor allem eine Chance, mehr Menschen für Wissenschaft zu begeistern und die Sichtbarkeit von Frauen in den MINT-Fächern zu stärken. Sichtbarkeit ist ein wichtiger Schritt zur Normalisierung: Je vielfältiger die Vorbilder sind, desto selbstverständlicher wird es für junge Menschen, sich selbst in diesen Rollen zu sehen.
Ich möchte die Plattform, die mit dieser Auszeichnung verbunden ist, nutzen, um insbesondere Mädchen und junge Frauen zu ermutigen, ihren Interessen selbstbewusst zu folgen und an ihre eigenen Fähigkeiten zu glauben.
Gleichzeitig stärkt die Auszeichnung meine Stimme innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und gibt mir die Möglichkeit, mich sowohl in der Forschung als auch in der Wissenschaftskommunikation noch stärker und nachhaltiger einzubringen.
Sarah Pappert promoviert in Astrophysik an der TUM School of Natural Sciences und forscht am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. Betreut wird sie von Prof. Dr. Reinhard Genzel und Prof. Dr. Frank Eisenhauer, Inhaber einer TUM Distinguished Affiliated Professorship an der TUM School of Natural Sciences. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen supermassereiche Schwarze Löcher und die Entwicklung astronomischer Instrumente für das Extremely Large Telescope in Chile. Neben ihrer Forschung engagiert sie sich in der Wissenschaftskommunikation und setzt sich dafür ein, insbesondere Mädchen und junge Frauen auf ihrem Weg in die MINT-Fächer zu ermutigen.
Technische Universität München
- Natalie Neudert – TUM CST Communications
- natalie.neudert@tum.de